Vampirwaschbaers Wahnsinn

Review: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Endlich kommt hier was neues und dann ist es nicht von mir, sondern eine Review von Conny zu „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“.
Ich will aber auch nicht viel vorab sagen und lass direkt Conny zu Wort kommen, direkt nach dem Trailer.

Charmant und bodenständig stellt Marvel uns Simu Liu als neuesten Superhelden Shang-Chi vor, der aus der Terroristenorganisation „The Ten Rings“ geflohen ist und nun mit Mitte Zwanzig ein sorgloses Leben in San Francisco führt. Doch gleich von Beginn an blitzen Hinweise durch, dass Shaun viel mehr ist als nur der nette asiatische junge Mann von nebenan, der mit seiner Schulfreundin Katy (Awkwafina) mal eine Nacht durchfeiert und bei einem Parkservice seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Wie von einer guten Origin Story erwartet – holt seine Vergangenheit ihn in Form eines Schlägertrupps ein und Shaun weiß, dass sein Versteckspiel zu Ende ist. Denn wenn sein Vater ihn aufgespürt hat, ist nicht nur er in Gefahr.

Doch dreht sich die Geschichte nicht nur um Shang-Chi, sondern auch um Xialing (Meng’er Zhang), die dem Titelhelden in Nichts nachsteht. Keine Sekunde hat man das Gefühl, dass sie als Frau weniger leisten oder kämpfen kann, im Gegenteil, ihr Part der Geschichte nimmt genauso viel Raum ein. Erfrischend emotionsgeladen und doch mit knallharter Durchschlagskraft, folgt man den Geschwistern, die das gleiche Trauma auf ganz unterschiedliche Weise bewältigt haben und sich plötzlich ihrer größten Herausforderung stellen müssen: ihrem Vater und ihrem Familienerbe.

“I thought I could change my name, start a new life. But I could never escape his shadow.”

Shang-Chi (Simu Liu) in Marvel Studios‘ SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS. Photo by Jasin Boland. ©Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.

Trotzdem ist Xu Wen Wu die tragende Säule des Films. Sei es die stoische Ruhe eines Herrschers, die verdrehte Liebe zu seinen Kindern oder seine tiefe Trauer, durch schauspielerisches Können untermauert Tony Leung die Emotionalität des Films und treibt in seiner Suche nach dem, was ihm am wichtigsten ist, nicht nur die Handlung voran, sondern seine Familie ins Unglück. Seine Motive sind gewiss nicht neu, aber für mich ist Wen Wu einer der Gegenspieler im MCU, dem ich hauptsächlich Sympathie entgegenbringe. Und das muss man als Kopf einer Terrororganisation erstmal leisten.

Katy fühlt sich dagegen nur wie eine Mitläuferin an, ihre Rolle selbst weist kaum Entwicklung vor, da sie meist für die Gags zuständig ist – dies jedoch in gewohnter Awkwafina-Qualität. Und dann gibt es noch eine Überraschung im Film, die für Lacher sorgen wird und ihn auf eine herrlich selbstironische Art mit der MCU Phase 2 verknüpft.

„[…] the Ten Rings gave our family power. If you want them to be yours one day, you have to show me you’re strong enough to carry them.”

Ein absoluter Augenschmaus sind die Kampfszenen. Choreographiert u.a. durch Brad Allan, langjähriges Mitglied des JC Stunt Teams und verantwortlich für Filme wie „Kingsman“, wirbelt der (fast komplett kampferprobte) Cast mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit und Präzision durch den Film. Die unterschiedlichen Auffassungen, wie man Macht einsetzt, ob man kontrolliert, zerstört oder bewahrt, verknüpfen sich zum roten Faden, während man staunt, wie viele verschiedene Angriffe, Tricks und Luftkampfeinlagen mit den Zehn Ringen der Macht möglich sind, deren Koordination zudem auch perfekt umgesetzt wurde.

Wenwu (Tony Leung) and Shang-Chi (Simu Liu) in Marvel Studios‘ SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS. Photo courtesy of Marvel Studios. ©Marvel Studios 2021.

“You are a product of all who came before you. The legacy of your family.”

Die Macher des Films haben bereits berichtet, dass sie Kung-Fu-Filmen Respekt erweisen wollten, und erschufen eine Hommage u.a. an „Kung Fu Hustle“ und „Tiger&Dragon“, aber auch Jackie Chans und (im Hinblick auf die Comicvorlage) Bruce Lees Lebenswerk. Während man eine Story verfolgt, die es im MCU so noch nie gegeben hat, ist es für Fans dieser Klassiker gleichzeitig wie in Erinnerungen zu schwelgen.

Musikalisch ist Shang-Chi ein Garant, das kraftvolle „Run it“ von DJ Snake powert die bereits im Trailer zu sehende Bus-Szene auf, während das fast schon melancholische „In the Dark“ von Swae Lee, den man u.a. aus „Into the Spiderverse“ kennt, eher Shang-Chis inneren Kampf untermalt. Auch die Animation der mystischen Wesen ist makellos und wunderbar detailverliebt, wie z.B. bei Shang-Chis Rüstung, und sorgt zugleich oftmals für verspielte, ausgelassene Momente. Stichwort: Morris.

Fazit: Mit Shang-Chi stößt Marvel nicht nur die Tore für Phase 4 weit auf, sondern punktet mit Diversität, endlich richtig guten Martial Arts-Einlagen und Fantasy-Elementen fernöstlicher Mythologie. Die Story selbst schafft es leider nicht, sich von der bewährten MCU-Blaupause zu lösen. Gerade zum Ende hin schwächelt der durchaus rund erzählte Film und die Elemente, um ihn mit den Marvel-Universum zu verknüpfen, wirken teilweise unorganisch. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt unterhaltsames Popcornkino, hervorragende Stunts und eine Schlacht darum, aus den richtigen Gründen das Richtige zu tun. Sowie die überzeugend tragische Geschichte einer zerrütteten Familie, die einen zwar nicht überrascht, aber bis zum Schluss mitnimmt.

 

Story: 3/5
Action: 5/5
Animation: 5/5
Musik: 4/5

Bilder und Trailer: Copyright Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.

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